Kosmopolis

Bezeichnung Wert
Titel
Kosmopolis
Untertitel
die unerkannte Aufgaben der Moderne
Medienart
Person
Verlag
Ort
Frankfurt/M.
Jahr
Umfang
364 S.
Schlagwort
Annotation
PZ 1/92*33 Angesichts der Schatten- und Schlagseiten des Fortschritts nimmt die Zahl derer zu, die die Geschichte der letzten 300 Jahre nicht als eine Aneinanderreihung von Erfolgen verstehen wollen. Daß jedoch auch der Beginn der Aufklärung alles andere als eine glanzvolle, erleuchtete Epoche war, zeigt Stephen Toulmin in diesem faszinierenden Band. Die Vorstellung, daß sich Natur und Gesellschaft nach denselben rationalen Gesetzen entwickeln würden und gestalten ließen, war für die Intellektuellen des 17. Jahrhunderts eine stabilisierende Vision, mit der sie ihrer von Bürger- und Religionskriegen sowie kirchlicher Repression geprägten Zeit begegneten. Die Skepsis gegenüber Mehrdeutigkeit und Ungewißheit führte zur Ablöse des Wissenschaftsverständnisses der Humanisten: An die Stelle der mündlichen Tradition und der Wertschätzung des Diskurses trat die schriftliche Abhandlung, die Erörterung des Einzelfalls wich der Darstellung des Allgemeinen, vom Lokalen zum globalen, vom Zeitgebundenen zum Zeitlosen hin wandte sich die Aufmerksamkeit.In der Kultur der Postmoderne, der Wiederentdeckung der praktischen Philosophie, der Ökologie-Diskussion und der zunehmenden Durchsetzung politischer Partizipation sieht Toulmin Anzeichen für eine Renaissance humanistischer Kategorien, die Möglichkeit der Versöhnung von Rationalität und Vernunft. Wenn es u.a. gelingt, eine Vereinigung nichtstaatlicher Organisationen zu gründen, von "Leviathan auf Liliput" zu wechseln, dann könnte ein weiteres Mal eine Kultur der Toleranz, der Mehrdeutigkeit und Bescheidenheit entstehen.