Eurotaoismus

Bezeichnung Wert
Titel
Eurotaoismus
Untertitel
zur Kritik der politischen Kinetik
Medienart
Person
Verlag
Ort
Frankfurt/M.
Jahr
Umfang
346 S. (edition suhrkamp
Schlagwort
Annotation
PZ 3/89*258 Sloterdijks provokante und ironische Gegenwartsanalyse beginnt bei den Beschleunigungsgesetzen der Moderne. Sogar Urlauber-Staus dienen ihm zu tiefschürfenden Betrachtungen. Für ihn kommt darin das Scheitern der Moderne zum Ausdruck, das dynamische Motiv einer Gesellschaft führt sich hier ad absurdum. "An diesen glühenden Nachmittagen ... in der Rheintalhölle vor Köln, eingekeilt am irschenberg ..., vor sich und hinter sich je fünfzig Kilometer brütendes gestocktes Blech - da steigen schwarze geschichtsphilosophische Einsichten auf wie Auspuffgase, da geht einem kulturkritisches glossalisch von den Lippen, Nachrufe auf die Moderne wehen aus den Seitenfenstern, und unabhängig vom Niveau ihrer Schulabschlüsse kommt in den Insassen der Fahrzeuge die Ahnung auf, daß dies nicht mehr lange so weitergehen kann." In der Wiederkehr altasiatischen Denkens - daher auch die Zauberformel Tao im Titel - sieht er erste Schritte zur Demobilisierung. Die Katastrophe als letztes pädagogisches Mittel ist nach Sloterdijk zum Scheitern verurteilt. Die Moderne hat bereits Endzeitcharakter, und Hoffnung ist dabei nur Sekundärprodukt der Ungewißtheit über die Grenzen der uns noch verbleibenden Frist. Sloterdijk schlägt dagegen die Verlangsamung des Weltenlaufes vor und plädiert für eine politische Kybernetik durch "konsequente ökologische Zügelung der Produktionsmotive und durch die Entmilitarisierung der Gewinne".