Möglichkeitsräume

Bezeichnung Wert
Titel
Möglichkeitsräume
Untertitel
Grundrisse einer modernen Mobilitäts- und Verkehrspolitik
Medienart
Person
Verlag
Ort
Wien (u.a.)
Jahr
Umfang
156 S.
ISBN10
3-205-98854-X
Schlagwort
Annotation
Moderne städtische Verkehrspolitik ist im wesentlichen drei Zielen verpflichtet: Denn glaubt man den Experten - und ein Stück weit auch der eigenen Vernunft - so gilt es, den Gebrauch des Automobils zu beschränken, die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs zu erhöhen und die "Stadt der kurzen Wege" zu realisieren. Die Rezepte sind sattsam bekannt, sie werden eifrig beworben und sind doch, von Ausnahmen abgesehen, alles andere als erfolgreich. Die beiden Autoren haben es unternommen, die Hintergründe dieser Entwicklung zu hinterfragen, indem sie vier vermeintliche "Gewißheiten" der Verkehrsplaner einer kritischen Prüfung unterziehen. So kommen sie zu dem Ergebnis, daß die der Verkehrsplanung zugrunde liegende Annahme - 1. "Gewißheit" - von durchschnittlich 3,5 Wegen pro Tag, die in einer Stunde zurückgelegt werden, empirisch nicht zu halten ist. U. a. deshalb, weil die "selbstreferentielle Beweisführung der Verkehrsforschung" mit einer Reihe von Fehlern behaftet ist. Mit der Förderung des öffentlichen Verkehrs - 2. "Gewißheit" - ist, so die Autoren weiter, ebenfalls nicht zu punkten, da rollende "Großgefäße" der "fortschreitenden Pluralisierung von Lebensstilen und Lebenslagen" nicht gerecht werden. Die Krise des öffentlichen Verkehrs (ÖV) ist demnach primär eine institutionelle, der ÖV drohe mithin zur sozialpolitischen Maßnahme, zum "Restverkehr" für jene zu degenerieren, "die sich kein eigenes Auto leisten können". Die These von der sinkenden Attraktivität des Automobils - 3. "Gewißheit" - kontern die Autoren u. a. mit einer Reihe von Zahlen: so ist allein in Deutschland die Zahl der Neuzulassung von Pkw 1996 gegenüber dem Vorjahr um 5,9 Prozent gestiegen (S. 75). Nicht zuletzt sei "die Stadt der kurzen Wege" - die 4. "Gewißheit" - alles andere als ein Königsweg der modernen Verkehrsplanung, da ihm "der stabile Traum vom 'Häuschen im Grünen'" entgegenstehe. Canzler und Knie begnügen sich keineswegs damit, über den liebgewonnen, aber offensichtlich unhaltbaren Annahmen ihrer Kollegen zu Gericht zu sitzen. Sie plädieren vielmehr dafür, der unabdingbaren "Verkehrswende" eine "Denkwende" vorangehen zu lassen. Der Vorschlag, zwischen Mobilität als "Bewegung im möglichen Raum" (horizontal wie auch vertikal) und Verkehr als "Bewegung im konkreten Raum" zu unterscheiden und somit die Verkehrspolitik zu "re-kontextualisieren" sollte dazu ebenso Impulse setzen wie das an dieser Stelle erstmals vorgestellte Modell CASH/Car: BenützerInnen von Leihwagen wird so die Möglichkeit geboten "ihr" Auto während des längerer Stehzeiten weiterzuvermieten.