Berufsfindungsprozesse von Jugendlichen mit geschlechts(un)typischen Berufswünschen

Bezeichnung Wert
Titel
Berufsfindungsprozesse von Jugendlichen mit geschlechts(un)typischen Berufswünschen
Untertitel
eine qualitativ-rekonstruktive Studie ausgehend von Schülerinnen und Schülern an steirischen Polytechnischen Schulen
Verfasserangabe
Gernot Dreisiebner
Medienart
Sprache
ger
Person
Verlag
Ort
Graz
Jahr
Umfang
S. 404
Beigaben
Zusammenfassungen (2 Blätter)
Fußnote
Abweichender Titel laut Übersetzung des Verfassers/der Verfasserin
Schlagwort
Annotation
Das Dissertationsvorhaben adressiert das Problemfeld der Geschlechtssegregation bei der (Lehr-)Berufswahl von Jugendlichen. Angehende Lehrlinge entscheiden sich in Österreich zumeist im Alter von 15 Jahren für einen von rund 200 Lehrberufen, wobei sich geschlechtsstereotype Berufswahlmuster offenbaren: Lehrberufe in Handwerk und Technik stellen eine primär männliche Domäne dar, kaufmännisch-verwaltende Lehrberufe hingegen eine weibliche. Zur Erklärung der zugrundeliegenden Berufsfindungsprozesse existiert ein weites Feld an Ansätzen. Ein möglicher Zugang beruht dabei auf geschlechtsspezifischen Berufswerten. Hieraus ergibt sich die leitende Fragestellung, welche Orientierungsmuster den Berufsfindungsprozessen von angehenden Lehrlingen mit geschlechts(un)typischen Berufswünschen zugrunde liegen. Das qualitativ-rekonstruktive Forschungsdesign basiert auf Gruppendiskussionen mit Schülerinnen und Schülern an steirischen Polytechnischen Schulen vor dem Berufseintritt und auf Einzelinterviews nach dem Berufseintritt der Jugendlichen. Die Auswertung wird nach der dokumentarischen Methode vorgenommen. Hierbei erfolgt in drei zentralen Interpretationsschritten (formulierende und reflektierende Interpretation, Typenbildung) ein Zugang zum impliziten, atheoretischen Wissen der Jugendlichen. Im Zuge der Interpretation konnten vier Typen von Berufsfindungsprozessen abgeleitet werden, welche sich hinsichtlich der Berufswerte, des Ausmaßes an Selbst- und Fremdbestimmung sowie der handlungsleitenden Intention der Jugendlichen (basierend auf den Erfahrungen während ihres ersten Ausbildungsjahres) unterscheiden. Lediglich Jugendliche vom Typ I (u.a. durch ein hohes Maß an Selbstbestimmung charakterisiert) waren in der Lage, ihren geschlechtsuntypischen Berufswunsch zu verwirklichen. Praktische Implikationen für die schulische Berufsorientierung ergeben sich insbesondere im Hinblick auf die Ermöglichung von (individualisierten) Lernerfahrungen.